24 Juni 2013

Kurzgeschichte "Wunschdenken"

Ich breitete die Arme aus, um besser das Gleichgewicht halten zu können und vollführte eine waghalsige Pirouette. Und waghalsig war sie wirklich: Der schmale Mauervorsprung und meine zehn Zentimeter High Heels verwandelten die Drehung selbst für eine geübte Tänzerin wie mich in eine echte Herausforderung. Zudem schlug mir das Herz bis zum Hals und mein Gehirn machte seinen Job auch nicht mehr richtig. Verliebt sein war manchmal doch echt scheiße.
"Lief doch gar nicht so schlecht", sagte ich, um überhaupt etwas zu sagen. Mathew nickte lächelnd.
"Du hast das echt gut gemacht.", Ich musste über das Kompliment geschmeichelt lachen.
"Du aber auch. Noch etwas was du gut kannst.", gab ich es zurück. "Naja, geht so."
Ich liebte seine Bescheidenheit.
"Ich war total nervös deshalb, aber schlussendlich war es ja gar nicht so schlimm. Was ich nur blöd fand, war, dass die Parallelklasse dasselbe gemacht hat."
Ich blieb stehen und wandte mich zu ihm um, da ein über die Mauer wuchernder Rosenbusch meinen weiteren Weg versperrte.
"Komm, ich helfe dir", bot er an. Und wieder macht mein bereits wild flatterndes Herz einen gigantischen Satz. Ich dankte Gott, dass meine Handflächen nicht schwitzten und ergriff die von ihm dargebotenen Hände. "Danke". Etwas wackelig endete mein wenig eleganter Sprung von dem Mäuerchen.
Zögernd ließ ich seine Hände los und setzte mich wieder Bewegung. Im vorbei Gehen rupfte Mathew eine Blüte des Busches ab und reichte sie mir grinsend. "Bitte sehr". Ich brachte es sogar fertig mich zu bedanken, während mein Verstand lautstark in meinem Kopf stritt, ob ich da nun etwas hinein interpretieren sollte oder nicht.
Wieder trat eine Stille ein.
"Ich habe noch nie in meinem Leben Blumen geschenkt bekommen", log ich. Nun Ja, es war nicht ganz gelogen. Einmal in meinem Leben hatte ich Blumen geschenkt bekommen, und das war zu meinem letzten Geburtstag von einer Freundin. Aber von einem Jungen noch nie. Ich hatte generell noch nie etwas von einem Jungen geschenkt bekommen. Ich seufzte innerlich auf.
"Dann wird es aber doch mal Zeit", meinte er überzeugt und blieb stehen. Wir hatten das Gebäude umrundet und standen nun wieder vor der Eingangstür zum Bürgerhaus, in dem unsere Abschlussfeier stattfand. Von drinnen ertönte lautes Stimmengewirr und Geschirrgeklapper.
"Jetzt geht es schon viel besser. Die Luft da drin war wirklich kaum zum Aushalten" - Man beachte: Mein Vorwand, unter dem ich mich nach draußen verzogen hatte. Mathew hatte sich zu meiner Freude angeschlossen. Allerdings war ich jetzt aber auch einer Panikattacke gefährlich nahe. Um nicht völlig auszuticken, lief ich unruhig auf der Stelle, spielte mit meinen Haaren und blickte mich hektisch um.
"Ich wirke auf dich wahrscheinlich wie eine paranoide Irre", sprach ich einfach das aus, was ich dachte. Mathew lachte. "Kennst du das Gefühl, du drehst jeden Moment durch?". Mathew grinste. "Und ob ich das kenne!", "Und voilà, genau so fühle ich mich im Moment.", gestand ich ihm. "Aber warum?", ich zuckte mit den Schultern. "Ich bin nervös", sagte ich. "Wir haben doch schon unseren Sketch und die Zeugnisübergabe hinter uns gebracht", meinte er verständnislos. Bei diesem Stichwort schaltete sich sofort mein Kopfkino ein und ich durchlebte noch einmal den Moment, als ich und Mathew nebeneinander auf die Bühne gegangen waren. Und meine weichen Knie. Wir waren nebeneinander eingelaufen. Nebeneinander. Weil er das so gewollt hatte. Er.
Okay, Herzinfakt.
"Ich... bin einfach manchmal so. Da überfallen mich bestimmte Gefühle aus heiterem Himmel und ich habe keine Ahnung wieso. Dann bin ich urplötzlich am Boden zerstört oder unglaublich happy oder seltsam gereizt", stotterte ich erklärend. "Kenne ich irgendwoher", freundlich grinste Mathew mich an.
Scheiße, scheiße, scheiße. Immer diese Panik, wie man das Gespräch aufrecht erhielt.
"Liegt wahrscheinlich an den Hormonen", sagte ich. "Vermutlich".
Ich drehte die Rosenblüte, die er mir geschenkt hatte, zwischen meinen Händen.
"Woran denkst du?", fragte er.
Ich musste lächeln. "Daran, dass ich Angst habe", antwortete ich wahrheitsgemäß. Oh Gott, Renée- sagte ich zu mir selbst - Bau bloß keinen Mist.
Ja, sehr schön. Und wie sollte ich das anstellen? Ich hatte noch nie einen Freund gehabt und konnte nur instinktiv handeln. Das wenige Wissen, was ich über Liebe und Beziehungen und Flirten und das alles besaß, stammte aus, und das will ich betonen, fiktiven Büchern. So ein Scheiß. Wieso brachten die einem sowas nicht in der Schule bei, anstatt unwichtige französische Verben und mathematische Funktionen?!
"Und wovor hast du Angst?", fragte er mich, wie erwartet.
Nicht noch vorher tief Luft holen, Renée, sags schnell, bevor du es dir anders überlegst. 
"Ich bin nicht sonderlich mutig.", wich ich aus.
Feigling!
"Das glaube ich nicht".
Los - Trau dich!
"Ich habe einfach Angst, dass ich in diese Situation zu viel hineininterpretiere." Oh verdammte scheiße. Das hatte ich jetzt aber nicht laut gesagt, oder?
Mathews Gesichtsausdruck nach schon.
"In diese Situation...", wiederholte Mathew langsam. Ich kratzte mein letztes bisschen Mut zusammen und brachte tatsächlich ein Nicken zu Stande. Und womit ich letztlich gerechnet hatte, war auf jeden Fall nicht das, was anschließend geschah.
Mathew bewegte sich wie in Zeitlupe, als wolle er ein scheues Tier nicht erschrecken. Erst legte er eine Hand an meine eine Wange, dann folgte die andere. Und dann, ganz langsam, bewegte sein Gesicht sich auf meines zu.
Oh. Mein. Gott.
Atemnot, Herzstillstand, Schlaganfall - In dem Moment hatte ich wirklich das Gefühl, mein Herz würde mir gleich aus der Brust springen. Ich war einer Ohnmacht nahe. Und als nach einer Ewigkeit sich unsere Lippen berührten, wurde es sogar noch schlimmer. Meine Beine knickten weg und Mathew schlang geistesgegenwärtig einen Arm um meine Taille und drückte mich an sich, um mich vor dem harten Boden zu bewahren.
Mathew küsste mich. Oh scheiße. Heißt das, er mag mich? Oh Gott, oh Gott, oh Gott...
Verzweifelt, weil ich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte, schlang ich wie die Hauptprotagonistinnen aus meinen Büchern die Arme um Mathews Hals und presste meine Lippen noch fester auf seine, ehe ich schließlich anfing diese sanft zu bewegen.
Ich war eine lebendige Fackel.
Und dann mit einem Mal, wie in den Momenten, wo mich meine Emotionen hinterrücks überrollen, war plötzlich alles ganz einfach und gar nicht mehr schwer.

13 Juni 2013

[Musiktipp]

Nichts gegen Frankreich, Franzosen/Französinnen oder die Sprache Französisch - Mais je deteste francais!
Ich bin nämlich gezwungen es zu lernen - und da ich ein fauler Mensch bin und mein Gehirn zudem grottig in seinem Job ist, ist das doch verständlich oder? Zumindest ein klitze, klitze kleines bisschen...? Naja egal.

Aber trotzdem bin ich ganz begeistert von einem Lied, auf welches ich durch einen Trailer eines französischen Films (Madame Populaire), den ich mir unbedingt mal anschauen möchte, drauf gekommen bin:


Coeur de Pirate - Golden Baby



Alles Liebe, 
Natalie <3